Ist nicht eigentlich der Löwe der König der Tiere? Im Dschungelbuch nicht. Hier glaubt der Tiger Shere Khan, er sei der Herr über den gesamten Dschungel, alle müssen sich vor ihm ducken und ihm huldigen. Dabei muss gesagt werden, dass sein Hunger nach Anerkennung und Macht ein angeborenes Gebrechen kompensieren soll.  Shere Khan ist nämlich alles andere als ein großer starker Tiger: Er hinkt. Er kann weder schnell rennen noch über ein Feuer drüber springen. Er plumpst hinein, verbrennt sich das Fell, macht sich lächerlich und hat seitdem vor Feuer panische Angst. Außerdem nennt ihn die respektlose Rakscha „Lungri, den Lahmen“, was ihn zur Weißglut bringt.   Zwischen eigenem Anspruch und Wirklichkeit klafft ein riesiges Loch. Eigentlich ist er nur Schwächeren gegenüber stark. Mowgli zum Beispiel. Mowgli ist seine Beute. Und aus dieser Verbindung – der Kraft eines Raubtiers, dem eigenen Gefühl, sich immer wieder beweisen zu müssen und den vorangegangenen Kränkungen – ergibt sich eine explosive und bedrohliche Mischung.

Gut, dass Shere Khan wenigstens einen hat, der ihm treu ergeben ist: der schleimige und heuchlerische Schakal Tabaqui. Mit geschmeidigen und anschmiegsamen Bewegungen streicht dieser Shere Khan um das Fell,  buckelt und dienert vor ihm – so wie er zu Anfang auch Akela gegenüber gebuckelt hat.  Tabaqui führt kein bemerkenswertes eigenes Dasein sondern nur eines im Schatten eines – wenn auch nur vermeintlich - Stärkeren.

Die Schlange Kaa will eigentlich niemandem etwas Böses und kann Gemeinheiten nicht leiden. Dennoch wirkt sie gemein und gefährlich, weil sie ständig hungrig auf der Suche nach etwas Essbarem ist. Im Grunde ist sie eher ein lächerlicher Typ, ständig angetrunken von vergorenem Kokosnusssaft. Absolut bewundernswert sind ihre Schlangenbewegungen – komplett ohne Hände und mit sehr eingeschränkter Beinfreiheit.

Kommen Sie, liebe Zuschauer, und lassen Sie sich von Mowglis Feinden faszinieren. Es spielen Christian Kleefeld, Klara Knecht und Lisa Hamsen.